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15 Millionen für Top-Forschung

Im Forschungslabor: Das IHP betreibt sowohl Grundlagenforschung als auch anwendungsorientierte Forschung und stellt Kleinserien her. Ein Beispiel für die Grundlagenforschung ist das MBE Labor, in dem neue Materialien für mikro- und nanoelektronische Bauelemente untersucht werden. Prof. Bernd Tillack (l.) im Gespräch mit Martin Wilke. © Foto: Winfried Mausolf

13.02.2018
Das IHP – Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik plant eine Erweiterung des Reinraumes. Etwa 15 Millionen Euro werden investiert.

Frankfurt (Oder) (MOZ) Das IHP – Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik plant eine Erweiterung des Reinraumes. Etwa 15 Millionen Euro werden investiert.

Das IHP – Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik plant eine Erweiterung des Reinraumes. Etwa 15 Millionen Euro werden investiert. Damit macht sich das zur Weltspitze zählende Halbleiterinstitut strategisch fit für die nächsten 15 Jahre, betont Geschäftsführer Bernd Tillack.

Bernd Tillack ist Geschäftsführer des IHP. Er übernahm 2014 die Leitung von seinem inzwischen verstorbenen Vorgänger Prof. Wolfgang Mehr. Dieser hatte das Institut nach einer schweren Krise durch das Aus der Chipfabrik wieder in die wissenschaftliche  Forschungsspitze zurückgeführt. Tillack will diesen Weg fortsetzen. Wissenschaftliche Kreativität basiert für ihn auf Kontinuität. Daher sind für ihn die alle sieben Jahre stattfindenden Evalutionen des Leibniz-Institutes der Gradmesser für die Zukunft des Instituts.

„Wir haben 2015 ein sehr gutes Ergebnis erzielt. Alle strategischen Enwicklungen wurden voll bestätigt“, betont Tillack. Auf dieser Grundlage erfolgen nun weitere Investitionen in das Herzstück des Instituts. „Der 1000 Quadratmeter große Reinraum wird um 500 erweitert“, berichtet Tillack. Diese Nachricht sei brandaktuell.

Bevor er Zahlen nennt, sagt er in Richtung von OB Martin Wilke bei einem kurzfristig anberaumten MOZ-Gespräch im IHP: „Mit der Erweiterung des Reinraumes wird der Forschungs-standort Frankfurt nachhaltig gestärkt.“ Etwa 15 Millionen Euro fließen. Im September soll der erste Spatenstich für den Bau des Gebäudes erfolgen. Und 2020 die Maschinen eingebaut werden. Die Zahl der derzeit 324 Mitarbeiter könnte auf der Grundlage von Forschungsförderung weiter wachsen, prognostiziert Tillack. Allein seit 2007 wären am IHP etwa 100 hochqualifizierte Arbeitsplätze neu entstanden.

Ein Reinraum wird für Grundlagen- und angewandte -forschung ebenso wie für Kundenservice genutzt. Die Erweiterung des Reinraumes macht sich laut Tillack erforderlich, weil das IHP mit Forschungsthemen von Kunden aus der ganzen Welt „voll“ ist. „Wir brauchen mehr Reinraum, um uns strategisch fit zu machen“, sagt Tillack. Er verweist dabei mit Stolz, dass das IHP in der Halbleiter-Forschung in der Welt ganz vorn mit rede.

Wilke sichert dem Institut die zügige Unterstützung der städtischen Genehmigungsbehörden bei der Durchführung der Investition zu. Er sieht das IHP in der Tradition der Mikroelektronik am Standort Frankfurt. Zehn Jahre nach der Erfindung des ersten Transistors seien Halbleiter in Frankfurt produziert worden. In moderner Weise knüpfe das IHP an diese Tradition mit wissenschaftlichen Top-Leistungen an. „Stetiges Wachstum schafft weltweit bei Kunden Vertrauen“, verweist Wilke auf das internationale Renommee des Forschungsinstituts. Er sieht in den dramatischen Veränderungen durch die Digitalisierung der Gesellschaft auch neue Chancen für die Forschung, aber ebenso könne die Stadt von solchen Entwicklungen profitieren. Wilke nennt als Beispiel ein grenzüberschreitendes Deich-Überwachungssystem mit Sensoren, die am IHP entwickelt werden, für Hochwasserlagen an der Oder. Angesichts weltweit zunehmender Hochwasserlagen sei dies für das Frankfurter Institut eine Herausforderung für internationale Umweltprojekte. Ein anderes Stichwort: Smart City.  Ein wichtiges Forschungsthema ist für Tillack dabei die Entwicklung intelligenter Systeme, die Informationen aufnehmen, verarbeiten und kommunizieren. Mit einem praktischen Anwendungsthema beschäftigen sich IHP-Wissenschaftler seit Anfang des Jahres - der Entwicklung eines robusten Sicherheitssystems, das Störungen vorausschauend ausschaltet.

Tillack hält die Massenproduktion von Chips am Standort Frankfurt eher für nicht realistisch. Doch spezialisierte Systeme zu entwickeln und zu designen, sei keine Utopie. Beide können sich vorstellen, mit dem know how des IHP beispielsweise für moderne Medizintechnik zu nutzen. „Neue Institute oder Außenstellen für neue Anwendungen und Entwicklungen in Frankfurt anzusiedeln, ist mit dem IHP möglich“, glaubt Wilke. Tillack spricht auch eine Erwartung an die Stadt aus. Am IHP arbeiten Wissenschaftler aus 30 Ländern. „Mikroelektronik funktioniert nur international. Daher muss Frankfurt eine weltoffene und tolerante Stadt bleiben“, betont er. Wilke sichert zu, dass er sich als Oberbürgermeister weiter dafür einsetzen werde.

Autonome intelligente Systeme:

Die IHP-Forscher beschäftigen sich mit zukünftigen Systemen, die über viel mehr Autonomie verfügen als heutige. Diese müssen deshalb intelligente Entscheidungen situationsabhängig treffen können. Dies erfordert die schnelle Entscheidungsfähigkeit auch bei noch nie vorher gesehenen Situationen mit widrigen Umständen. In der Wissenschaft nennt man dies Resilienz.Diese umfasst dabei sowohl die technische Zuverlässigkeit und Sicherheit als auch die kognitive Fähigkeit der „Self Awareness“, die es erlaubt, durch Lernen Entscheidungsfähigkeit aufzubauen und kontinuierlich zu verbessern. Dazu sind neue Entwurfsmethoden und neue Methoden der Informationsaufbereitung, -verdichtung und -verwendung zu erarbeiten. Die statischen und dynamischen Anteile der Resilienz sind zu untersuchen und sowohl auf den unterschiedlichen Ebenen der Materialforschung, der Technologie- und Schaltungsentwicklung als auch auf den Entwurf von Systemen und Netzwerken anzuwenden. Anwendungsbeispiele sind unter anderem das autonome Fahren, Landwirtschaft 4.0 (Smart Farming) oder autonome Industrieroboter in ihrer Interaktion mit dem Menschen.

The building and the infrastructure of the IHP were funded by the European Regional Development Fund of the European Union, funds of the Federal Government and also funds of the Federal State of Brandenburg.